ANAPANA UND VIPASSANA MEDITATION


Warum beginnen wir mit dem Atem?

Um ein Bewusstsein für die gegenwärtige Realität zu entwickeln, ist es wichtig, etwas zu wählen, was in seiner natürlichen Form immer da ist. Anapanasati -  die Achtsamkeit des Atmens -  ist der erste Schritt in der Praxis der Vipassana Meditation.   Es bedeutet die Beobachtung der natürlichen, normalen Atmung, wie sie ein- und ausströmt und hilft die Konzentration des Geistes zu entwickeln. Die Beobachtung der eigenen Atmung ist das ideale Objekt für die Meditation, da sie immer verfügbar ist.

Anapana-sati hilft nicht nur, den Geist zu beruhigen und konzentrieren. Die Technik hilft sich selbst besser zu erkennen und gibt einen Einblick in die Funktionsweise des eigenen Geistes. Die Technik ist einfach und leicht zu verstehen.

Wenn man die Atmung beobachtet, beginnt man die Natur des Geistes zu verstehen. Der Verstand ist ausschweifend und sprunghaft. Diese Charakteristik wird sehr deutlich, wenn wir den Atem beobachten. Der Verstand verweilt nicht in der Gegenwart. Er versucht ständig, in die Vergangenheit oder Zukunft zu fliehen. Indem wir die natürliche Atmung beobachten, trainieren wir langsam unseren Geist, im hier und jetzt zu bleiben und zu leben.

Anapanasati führt zu einer Beruhigung des Geistes, so dass der Verstand ruhiger und konzentrierter wir. Dadurch bist du besser in der Lage, die Vipassana-Praxis selbst auszuüben. 

Vipassana dient dazu den Geist zu reinigen.

Im nächsten Schritt beobachtest du deinen Körper. Der Körper ist eine Art Übungsfeld. Ein Teil deines Geistes ist ständig in Kontakt mit deinem Körper. Er registriert alle dort auftretenden Empfindungen. Alle Eindrücke (physich und mental) die während der Meditation auftauchen, werden beobachtet ohne darauf zu reagieren. Du wirst sehen, dass auch diese Empfindungen nicht permanent sind. Es geht um die Erfahrung der Unbeständigkeit (annica). Alles ist vergänglich. Zwei Reaktionen sind sehr stark in unserem täglichen Verhalten verankert, Abneigung oder Verlangen. Wenn uns etwas missfällt, möchten wir dies schnell wieder loswerden. Widerfährt uns etwas Positives, möchten wir diesen Zustand gerne weiter aufrecht erhalten. Entsprechend reagiert der Geist auch auf die auftretenden Empfidungen, entweder mit Aversion oder Verlangen. Aber, nichts im Leben bleibt so, wie es ist, und ist von Dauer. Alles unterliegt einem Wandel, in gleicher Weise wie sich Frühling, Sommer, Herbst und Winter abwechseln. Dieses Naturgesetz der Unbeständigkeit wird auf der Ebene des körperlichen Empfindens erfahren. Daher ist es wichtig, die aufkommenden Empfindungen während der Meditation zu realisieren, aber nicht zu reagieren. Mit der regelmäßigen Praxis dieser Technik, wirst du im Stande sein, dies auch auf den Alltag zu übertragen.                                                                                                                                                            Anstatt spontan mit einem Verhalten zu reagieren, dessen Konsequenz evtl. weniger willkommen ist, bist du in der Lage, ruhig zu agieren. Über die aufkommenden Körperempfindungen erfährst du, was die Situation oder Person mit dir macht, und kannst ihr mit Besonnenheit entgegentreten.

Die Dinge sehen wie sie wirklich sind, nicht wie wir sie gerne hätten.

Vipassana bedeutet "die Dinge sehen, wie sie wirklich sind". Es ist ein logischer Prozess der geistigen Reinigung durch Selbstbeobachtung. Zur Selbstbeobachtung durchdringt man seine gesamte physische und mentale Struktur mit der Klarheit der Einsicht.  - S.N. Goenka -

"Das Ziel der Vipassana-Meditation ist nicht die Konzentration des Geistes, sondern die vollständige Reinigung des Geistes, indem alle mentalen Unreinheiten wie Ärger, Hass, Leidenschaft und Furcht ausgemerzt werden. Vipassana ist das analytische Studium von Geist und Körper (Materie). Um dies zu erreichen, muss man ein vollständiges Wissen über den Körper, den Geist und die geistigen Unreinheiten auf der Erfahrungsebene erlangen, was mit Hilfe der Atmung geschieht. Die Atmung wirkt wie eine Brücke zwischen dem bewussten und dem unbewussten Geist und zwischen willentlichen und unwillkürlichen Prozessen des Körpers." S.N. Goenka