Wahre Freundschaft erkennen

19.11.2020

Schon immer sind echte Freundschaften von großer Bedeutung für die Menschen gewesen, doch in der heutigen Zeit werden sie seltener, obwohl sie doch dringender den je gebraucht werden. Warum ist das so, und was hat es mit einer wahren Freundschaft auf sich?                                                                                                                                                                                            In unserer heutigen Welt entfernen sich die Bedeutungen von herkömmlicher Freundschaft und wahrer Freundschaft voneinander. Während viele Freundschaften ein Austausch von Vorteilen sind, bei dem Zuneigung an Nützlichkeit gebunden ist, ist wahre Freundschaft selten.

Das Werk von Aristoteles "Nikomachische Ethik" trägt viel zur Klärung bei. Nach Aristoteles ist die Bedeutung der Freundschaft die Gemeinschaft zwischen zwei oder mehreren Menschen, die eine gemeinsame Grundlage der gleichen Gesinnung haben und Wohlwollen dem anderen Gegenüber empfinden. Freundschaft ist eine Tugend.

Welche Arten von Freundschaften gibt es?

Da gibt es die herkömmliche, die "akzidentelle" Freundschaft. Die Wortbedeutung von akzidentell ist - unwesentlich, sekundär. Es beschreibt die Art von Freundschaft, die auf Gegenseitigem Nutzen beruht. Hier steht nicht der Mensch im Vordergrund, sondern den Nutzen, den man aus der Verbindung erhält. Eine Freundschaft, die nicht der wahren Freundschaft entspricht. Auch hier gibt es Unterschiede. Das >Angenehme<, auf dem die Freundschaft beruht. Man schätzt die behagliche Atmosphäre des Gegenübers, oder es werden andere Bedürfnisse angenehm erfüllt. Aber wehe, wenn die schöne Atmosphäre wegbricht.

Wer kennt das nicht? Alles ist nur dann gut, solange die Laune gut ist, alle guter Dinge sind und/oder dem persönlichen Anliegen Genüge getan wird. Kaum zieht eine dunkle Wolke auf, dauert es nicht lange und der/die Freund/in verabschiedet sich unter einem Vorwand.

Und dann gibt es die Freundschaften, bei denen es nur um eine Zweckmäßigkeit geht. Sie gründen auf Gegenleistungen, und statt des eigentlichen Menschen steht der eigene Vorteil im Mittelpunkt.

Kennst du das? Hast nicht auch du Freundschaften, die darauf basieren, dass sie dir in bestimmten Aspekten nützlich sind? Sei es, dass dieser Mensch wieder um andere Menschen kennt, die interessant für dich sind? Oder weil sie ein tolles Ferienhaus irgendwo haben? Oder du hast Vorteile, die du ohne diese Person an deiner Seite nicht hättest? Nimm einen Zettel und schreibe die verschiedenen Namen deiner Freunde auf, zusammen mit den Eigenschaften die sie haben, wie z. B. Stellung in der Gesellschaft, Besitztümer, Kontakte, Eigenschaften von denen du profitierst, etc. Und dann stelle dir jeden einzelnen Menschen so vor, als hätte er oder sie nicht von alle dem? Mit wem würdest du weiterhin befreundet sein wollen?

Keine Angst, es macht dich nicht zu einem schlechten Menschen, wenn du diese Art von Freundschaften hast. Diese Art Freundschaft ist sehr weit verbreitet. Wir alle haben sie in unserem Kreis. Dies zu erkennen, und es sich selber einzugestehen, erfordert Ehrlichkeit sich selber gegenüber. Es geht darum, dass du es dir bewusst machst. Das du für dich selber erkennst, wer deine wahren Freunde sind. Denn es geht auch umgekehrt. Wer hat einen Nutzen davon, mit dir befreundet zu sein, und sind dies wirklich wahre Freunde? Wen kannst du mitten in der Nacht anrufen, wenn es dir schlecht geht und jemanden an deiner Seite brauchst?

Solange jemand, wenn er einem Freund Gutes tut und eine entsprechende Gegenleistung erwartet, ist es keine wahre Freundschaft. Bei einer vollkommenen Freundschaft kommt es nicht auf Gegenleistungen an. Es steht der Mensch im Mittelpunkt und das geben kommt von Herzen und wird nicht aufgerechnet.

Eine Freundschaft kann sich also aus gegenseitigem Nutzen, Vergnügen oder echter Zuneigung entwickeln. Freundschaften, die auf Nutzen und Vergnügen beruhen, enden, wenn das Fundament erschöpft ist. Nur eine Freundschaft, die auf echtem Interesse an dem Menschen selber basiert, kann fest und stabil sein, und deshalb ist nur dies die wahre Freundschaft.

Sie entsteht, wenn Vertrauen, Respekt, Bereitschaft, Selbstlosigkeit, Verständnis, Dankbarkeit und Vergebung vorhanden sind. Ein weiteres Merkmal einer Freundschaft ist, dass sich der Freund gegenüber dem Freund wie zu sich selbst verhält.

Wie denkst du darüber?

Schaue dich in deinem Freundeskreis um. Worauf basieren im Einzelnen deine Freundschaften?

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